Wichtig für Kants Denken, wenn auch oft übersehen, ist seine Unterscheidung von herrschen und regieren: von blindem willkürlichen Befehlen, was geschehen soll, und verständigem Lenken und dirigieren, wie etwas geschehe. Dabei ist für ihn das Regieren wichtiger als das Herrschen. So wie der Komponist das Orchester beherrscht und seine Noten diesem gleichsam das Gesetz sind, so wird es doch vom Dirigenten regiert und kann dieser durch sein Dirigieren ein Stück sehr auf- oder abwerten.
Den Unterschied von herrschen und regieren entwickelt Kant in keinem Werk oder Kapitel ausführlich, sondern er kommt auf ihn immer wieder an verstreuten Stellen in seinen rechtsphilosophischen und anthropologischen Texten zu sprechen. Man lese hierzu vor allem Zum ewigen Frieden, den zweiten Abschnitt des Streits der Fakultäten, die Anthropologie in pragmatischer Hinsicht sowie die Vorlesungen über Anthropologie.