Jede Neigung ist eine Fessel. Sie bindet uns an die Gegenstände, die wir zu ihrer Befriedigung bedürfen. Und je mehr wir sie befriedigen, desto mehr werden wir aus Gewohnheit von ihr abhängig und stumpfen zugleich gegen die Lust ab. Wir glücklich sein will, sollte daher nicht der Befriedigung seiner Bedürfnisse hinterherrennen, sondern danach streben, möglichst wenig Bedürfnisse zu haben. Kant empfiehlt mit Epikur ein genügsames Leben: Versage dir die Freuden nicht, lebe nicht in völliger Enthaltsamkeit, aber komme mit wenigen und einfachen Freuden aus, erfreue dich dann und wann anderer Genüsse, wenn sich die Gelegenheit ergibt, aber mache dich nicht von ihnen abhängig.
Die Haltung der Genügsamkeit bespricht Kant vor allem in seinen Vorlesungen über Moralphilosophie und seinem handschriftlichen Nachlass zur Moralphilosophie.